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Den Sternen auf der Spur

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St. Chrischona bei Nacht

Bisher haben Andy und ich immer versucht, bei einer kurzen Verschlusszeit möglichst viel Sternenlicht auf den Sensor zu bekommen, aber dennoch die Sterne eher als „Punkte“ darzustellen (siehe auch Nachthimmel). Da das Jahresthema vom Fotokreis allerdings mit Bewegung zutun hat, haben wir unser Hauptaugenmerk nun auf die Bewegung der Sterne gelegt. Wie bewegen sich die Sterne? Und wie setzt man diese Bewegung als sogenannte Sternenspuren am Besten in Szene?

Der Ort

Als Erstes brauchten einen interessanten Ort, um dem Betrachter ein in sich schlüssiges, abgerundetes Bild zu bieten. Zweitens brauchten wir einen freien Blick in Richtung Norden. Denn von der Erde aus erscheint es so, als ob sich die Sterne alle um den Polarstern drehten. (Auf der Südhalbkugel ist der Drehpunkt mit bloßem Auge kaum zu erkennen. Das bekannte Kreuz des Südens dient hier zur Navigation).

Andy schlug die Kirche auf dem Chrischona-Berg bei Basel vor, das schauten wir uns dann vor Ort an. Da wir uns dort noch nicht auskannten, fuhren wir tagsüber dorthin, um alle Gegebenheiten ausführlich und in Ruhe auskundschaften konnten. Wir fanden eine Wiese neben einer befestigten Straße etwas unterhalb der Kirche. Hier hatten wir laut Kompass freien Blick Richtung Norden. Es gab genug Platz für eine gute Auswahl des Bildausschnittes. Später stellten wir zu unserer Erleichterung fest, dass die Kirche nachts nicht beleuchtet wurde. Das erleichtert eine ausgewogene Belichtung ungeheuer.

Der Himmel

Damit man die Sterne gut aufnehmen kann, sollte es am Himmel möglichst dunkel sein. Zeitlich gesehen entschieden wir uns für die Neumondphase und warteten, bis die zivile Dämmerung beendet war.

In Richtung Norden schien die Lichtverschmutzung durch die Stadt Basel im Tal in unserem Rücken keinen großen Störfaktor darzustellen. Allerdings war die Atmosphäre im Sommer dermaßen aufgeheizt, dass sich nach Sonnenuntergang in Richtung Norden regelmäßig eine recht starke und dichte Wolkendecke bildete. Ab und zu konnten wir in der Ferne ein Wetterleuchten beobachten. Das war aber nicht unser Ziel. So verbrachten wir zahlreiche Stunden und Monate mit dem Warten auf den rechten Zeitpunkt.

Zur Technik

Nicht nur Ort und Zeit müssen passen, auch die Technik muss gut ausgewählt und vorbereitet sein.

Das Objektiv

Um möglichst viel Himmel ins Bild zu bekommen, verwenden wir beide ein Weitwinkelobjektiv. Da die Einzelbilder mit einer recht langen Verschlusszeit aufgenommen werden, musste das Objektiv nicht so lichtstark sein. Hauptsache, es hat eine gute Abbildungsleistung und verzerrt das Bild nicht zu stark.

Langzeitbelichtung oder Serienaufnahme?

Während einer einzelnen extrem hohen Belichtungszeit von mehreren Minuten lässt sich das Endergebnis nur schwer abschätzen. Wird das Bild über- oder unterbelichtet? Der statische Vordergrund neigt zur Überbelichtung, während die bewegten Sterne keinen größeren Anteil zur Aufzeichnung beisteuern können. Sie bewegen sich einfach weiter und werden wohl gleichmäßig dunkel erscheinen.

Dem entgegen ziehe ich die Serienaufnahme vor. Ich kann zunächst anhand von Einzelbildern ein dynamisch möglichst ausgewognes Bild einstellen. Dann starte ich die Serienaufnahme mit exakt diesen Voreinstellungen. Anschließend werden die Einzelbilder zu. einem Gesamtbild zusammengefügt.

Für eine ähnliches Projekt finde also heraus:

  • ob deine Kamera Serienbilder aufnehmen kann?
  • Wie du die Aufnahmezeit und Anzahl der Einzelbilder einstellen kannst?

Falls deine Kamera keine Serienbildfunktion anbietet, kannst du z.B. auch einen programmierbaren Funkauslöser verwenden und deine Kamera in den Bulb-Modus versetzen. Der Funkauslöser steuert dann, wie viele Bilder aufgenommen werden sollen und wie lang die Einzelbilder zu belichten sind.

Die Umsetzung in mehreren Akten

Vorbereitung und Aufnahme

Meine Vorgehensweise erkläre ich nun anhand meiner Olympus OM-D E-M1 Mark II.

  • Ich richte meine Kamera gen Norden aus.
  • Ich beziehe auch den Vordergrund in meine Bildkomposition mit ein.
  • Im manuellen Einzelbildmodus finde ich die Belichtungszeit, ISO (so niedrig, wie möglich) und Blende (geht Blende 8?) heraus. Das wird mein Basisbild.
  • Im Menü stelle ich dann unter E2/Zusammengesetzte Aufnahmen die Belichtungszeit für die Einzelbilder ein.
  • Im manuellen Modus gehe ich über die Belichtungszeit (> 60 sec) in den Live Composite-Modus.
  • Den Rest erklärt mir die Kamera.
  • Im Monitor beobachte ich, wie sich mein Bild entwickelt aufgrund der Lichter, die hinzugefügt werden. Die Helligkeit ändert sich nur dort, wo neue Lichter auftauchen.
  • Ich beende die Serienaufnahme, nun nimmt die Kamera ggf. noch ein Schwarzbild auf zur Rauschminderung.

Resultat

Wie oben bereits erwähnt war die Wolkendecke um die Zeit des Neumonds herum meist viel zu dicht und massiv, von einer sternenklaren Nacht ganz zu schweigen. An manchen Tagen sahen wir bereits vor der geplanten Abfahrt, dass die Wetterbedingungen zu ungünstig waren. Manchmal haben wir es dennoch ausprobiert und erst nach stundenlangem Warten ohne Ergebnis abgebrochen.

Chrischona-Kirche und Sender auf dem Berg, 11. Juli 2026,

ISO400, 12mm, ƒ/2, 15s

Im Nachhinein bin ich überrascht, wie viele Sterne trotz der Wolken zu sehen sind. Das habe ich aber erst bei der Bildbearbeitung am Rechner bemerkt.

11. September 2026

Dies ist ein Basisbild, ich habe für die endgültige Aufnahme noch die Perspektive und die ISO angepasst.

ISO 250, 12mm, ƒ/2, 30 s

St. Chrischona bei Nacht

Tarah! Tsching Bumm!

Hier mein bisher bestes Ergebnis, nach gut einer Stunde Gesamtaufnahmezeit

130 Aufnahmen á 30 s = 1:05 h
ISO 400, 12mm, ƒ/2, 30 s

Fazit

Das Projekt hat viel Zeit, viel Vorbereitung und viele Anläufe in Anspruch genommen. Aber ich habe eine Menge mehr über Fotografie, meine Kamera und den Verlauf der Sterne gelernt. Das Ergebnis war die Mühe absolut wert.

Hast Du bereits ähnliche Projekte umgesetzt? Wie war das für Dich? Was hast Du daraus mitgenommen? Erzähl mir gerne davon in den Kommentaren.

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